TOMCHEMIE
 
Forum durchsuchen:
» Erweiterte Suche

TOMCHEMIE » Biochemie & Biologie » Allgemein » Zellulose-Ethanol » Hallo Gast [Anmelden|Registrieren]
Letzter Beitrag | Erster ungelesener Beitrag Druckvorschau | An Freund senden | Thema zu Favoriten hinzufügen
Neues Thema erstellen Antwort erstellen
Zum Ende der Seite springen Zellulose-Ethanol
Autor
Beitrag « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »
Martinus
Proton


Dabei seit: 24.02.2007
Beiträge: 47
Beruf: CTA
Dein "Chemiewissen": Studienanfänger

Zellulose-Ethanol Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Hallo,

heute war ein interessanter Artikel in der "Welt Online".

Ich stelle ihn einmal hier herein:



2. Juli 2008, 16:53 Uhr Welt
Von Martin Dowideit
Nahrungsmittel

Amerika entdeckt Biosprit als Ersatzdroge für Öl

Mit Biotreibstoff will US-Präsident George W. Bush die Abhängigkeit seines Landes vom Öl senken. Bis 2022 soll ein Achtel des jährlichen Benzinverbrauchs aus Pflanzenresten oder Hausmüll gewonnen werden. Der große Plan fußt auf einer Bakterie aus Oklahoma, einer kleinen Firma aus Illinois und jeder Menge Hoffnung.

Wenn Ralph Tanner auf die Pirsch geht, treibt es ihn nicht in den Wald. Der Mikrobiologe ist auch überhaupt nicht an Rehen oder Wildschweinen interessiert. Er ist seit 37 Jahren auf der Jagd nach viel kleineren Lebewesen: Bakterien. In Misthaufen und verdreckten Tümpeln sucht der Mann mit dem grauen Rauschebart besonders gerne. „Im 25-Kilometer-Umkreis um die Universität kenne ich eigentlich alle guten Sammelstellen“, sagt der Professor, der an der Universität von Oklahoma in der Ortschaft Norman forscht.

Mit einem an einem zwei Meter langen Stab befestigten Becher angelt Tanner im Dreck, um Proben zu sammeln. Im Labor züchtet er dann die gefundenen Bakterien und untersucht ihre Fähigkeiten. Vor ein paar Jahren hat er dabei einen Volltreffer gelandet. Der Glücksfund trägt den Namen „Clostridium carboxidivorans“. Die Bakterie kann etwas, wovor sich schon bald Ölkonzerne wie ExxonMobil und Chevron fürchten sollen. Sie produziert aus kohlenstoffhaltigem Material wie Ernteresten reines Ethanol, einen Stoff, der sich als Benzinersatz in Automotoren eignet.

Tanners Fund ist für die gesamte Energiepolitik von US-Präsident George W. Bush von großer Bedeutung. Denn er will – wie seine möglichen Nachfolger John McCain und Barack Obama auch – die „Abhängigkeit vom Öl“ senken und Einfuhren reduzieren. Als umweltfreundliche Ersatzdroge hat Bush Biotreibstoffe ausgemacht, wie Professor Tanner sie erforscht. Das präsidiale Ziel heißt daher: Bis zum Jahr 2022 sollen jährlich 60 Milliarden Liter Ethanol – fast ein Achtel des jährlichen Benzinverbrauchs des Landes – aus Pflanzenresten, aus Hausmüll oder aus auf kargen Böden wachsenden Energiepflanzen gewonnen werden.
Zellulose lässt sich nur schwer in Zucker aufbrechen
Bislang produzieren die Vereinigten Staaten Bioethanol fast ausschließlich aus Maiskörnern, was wegen der Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise in aller Welt mehr und mehr verpönt ist. Während sich aber die Stärke in Maiskörnern verhältnismäßig leicht in Zucker verwandeln und dann zu Ethanol destillieren lässt, ist die angestrebte Verarbeitung von zellulosehaltigem Material zu Treibstoff problematisch. Pflanzenzellen werden von widerspenstigem Holzstoff (Lignin) zusammengehalten, und Zellulose lässt sich nur schwer in Zucker aufbrechen

Einige Unternehmen versuchen dem Problem mit Säure basierten Verfahren oder speziellen Enzymen beizukommen. Tanners Bakterie gilt als ein weiterer aussichtsreicher Ansatz, um Zellulose-Ethanol zum Durchbruch im großen Maßstab zu verhelfen.

Über die Entdeckung des Professors wird daher schon lange nicht mehr nur in dessen Labor in Oklahoma diskutiert. Wagniskapitalgeber aus dem Silicon Valley haben sich auf das Patent des Forschers gestürzt und Millionen in eine Firma gesteckt, die den Fund nutzen und den Ölkonzernen das Fürchten lehren wollen. Das Unternehmen heißt Coskata und hat seinen Sitz in einem flachen, braunen Bürogebäude in einem Gewerbegebiet vor den Toren Chicagos. In Laborräumen tüfteln etwa 30 Forscher daran, wie die Bakterie auf Leistung getrimmt werden kann.

Seit dem Firmenstart vor zwei Jahren sei so ein auf Ethanolproduktion spezialisierter Superorganismus entstanden, sagt Marketing-Chef Wes Bolsen. Und da der wissenschaftliche Name etwas sperrig klingt, spricht er einfach von „The Bug“, dem Bazillus. „Es ist unglaublich, wo wir jetzt bereits sind“, so Bolsen über die Produktionsergebnisse im Testlabor. Stolz zeigt er auf ein etwa anderthalb Meter langes durchsichtiges Kunststoffrohr, an das etliche Schläuche und Metallleitungen angeschlossen sind.
In dem Rohr hat sich an den Wänden von Hunderten hauchdünner Plastikkapillare ein grüner Schleim gebildet. „Das sind die Bakterien, die ein aus Biomasse gewonnenes Gas fressen, das wir in die Röhre geben“, sagt Bolsen. Die Bakterien scheiden dann reines Ethanol aus. „Das ganze dauert etwa zwei Minuten.“ Nach einer Studie des Argonne National Laboratory steckt in dem so gewonnen Ethanol 7,7-mal mehr Energie als für das Verfahren benötigt wird. Bei herkömmlichem Ethanol fällt die Energiebilanz wesentlich schlechter aus, einige Forscher halten sie sogar für negativ.
Die erste Produktionsstätte soll 2011 fertig sein
Der Coskata-Ansatz hat bereits mehrere namhafte Unterstützer überzeugt. So hat sich der Autokonzern General Motors, die Opel-Muttergesellschaft, in nicht genannter Höhe an Coskata beteiligt. Auch einer der größten Anlagenbauer für herkömmliche Ethanol-Produktionsanlagen ist eingestiegen. Zusammen mit dem bereits eingesammelten Wagniskapital ist so das nötige Geld zusammengekommen, um eine Vorführanlage zu bauen, die im Frühjahr in Pennsylvania in Betrieb gehen soll.
Eine erste Produktionsstätte im industriellen Maßstab soll Ende 2011 fertiggestellt werden. Doch da Coskata die mehreren hundert Millionen Dollar für eine solche Anlage nicht aufbringen kann, will Coskata-Chef Bill Roe die Technik an Partner lizenzieren. Papierkonzerne dürften etwa interessiert sein, so Roe. Denn die haben leichten Zugriff auf große Mengen an Holzabfällen, die sich gut für das Herstellungsverfahren eigneten.

Bislang wird Ethanol in den USA fast ausschließlich aus Maiskörnern hergestellt, in diesem Jahr voraussichtlich etwa 30 Milliarden Liter oder fünf Prozent des gesamten Benzinverbrauchs des Landes. Dafür wird ein Viertel des geernteten Mais benötigt. Der Anteil wird nach Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums bis 2010 auf ein Drittel steigen, dann aber stagnieren. Das reicht nicht, um die offiziellen Biosprit-Ziele zu erreichen. Daher haben sich neben Coskata mehr als ein Dutzend Firmen der Suche nach Alternativen zum Mais-Ethanol verschrieben. Sie werden mit Hunderten Millionen Dollar vom Energieministerium unterstützt und sollen schon in wenigen Jahren unabhängig von Lebens- und Futtermitteln Biokraftstoff produzieren.



Hier der Link:

http://www.welt.de/wirtschaft/article2170681/Amerika_entdeckt_Biosprit_als_
Ersatzdroge_fuer_Oel.html
03.07.2008 00:32 Martinus ist offline Beiträge von Martinus suchen Nehmen Sie Martinus in Ihre Freundesliste auf

Baumstruktur | Brettstruktur
Gehe zu:
Neues Thema erstellen Antwort erstellen
TOMCHEMIE » Biochemie & Biologie » Allgemein » Zellulose-Ethanol

Forensoftware: Burning Board 2.3.6 pl2, entwickelt von WoltLab GmbH