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Paradoxtom   Zeige Paradoxtom auf Karte Paradoxtom ist männlich
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Gefahren des elektrischen Stromes Grundlagen - Einleitung Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Gefahren des elektrischen Stromes Grundlagen - Einleitung

Mit elektrischem Strom haben wir es fast überall zu tun:
Elektrische Hilfsmittel werden von Personen
mit den unterschiedlichsten Ausbildungen
zur Erledigung der täglichen Arbeit ganz selbstverständlich eingesetzt:

bei der Arbeit im Betrieb,
im Haushalt (Küche, Garten, usw.),
in der Freizeit (Heimwerken).

Die Nutzung dieser Energieform ist so einfach und problemlos, ja geradezu selbstverständlich geworden, dass ohne sie so gut wie nichts mehr geht.

Der Umgang mit Strom soll hier nicht dramatisiert
oder als überaus gefährlich dargestellt werden,
aber Sie sollten wissen, dass der allzu sorglose
Umgang mit elektrischen Geräten und Maschinen besondere Gefahren in sich birgt.

Das gilt besonders dann, wenn der Mensch
mit dem Strom in Berührung kommt.
Unkenntnis, Leichtsinn und Selbstüberschätzung
sind die Hauptunfallursachen.

Untersuchungen zeigen, dass jährlich im privaten Bereich,
vor allem Männer, an den Folgen eines Stromunfalles sterben.


Im ersten Informationsteil dieser Unterweisung sollen Ihnen die möglichen
Gefahren beim Umgang mit Strom erklärt werden.

Vorsicht Strom:

Man hört ihn nicht.

Man sieht ihn nicht.

Man riecht ihn nicht.

Wenn man ihn fühlt, kann Lebensgefahr bestehen.


Im zweiten Teil zeigen wir Ihnen die Schutzmaßnahmen auf.

Wie wirkt der Strom auf den menschlichen Organismus?

Zunächst muss man wissen, dass alle Aktivitäten des Menschen
- auch die Funktion des Herzmuskels
- durch elektrische Impulse gesteuert werden.

Kommt der Mensch mit einem äußeren stärkeren Stromkreis in Berührung, so werden die schwachen Impulse des menschlichen Steuersystems durch die vergleichsweise sehr starken Impulse des externen Stromkreises überlagert.
Eine Verkrampfung der Muskeln ist die Folge!
Ein Loslassen des Stromkreises ist nicht mehr möglich!



Der elektrische Strom kann dem Menschen Schaden zuführen durch:

Körperdurchströmung,
Lichtbogeneinwirkung mit einer sehr starken Hitzeentwicklung,
Sekundäreinwirkung in Form von heftigen, unkontrollierten Bewegungen;



Die Wirkung des elektrischen Stromes auf den menschlichen Körper hängt ab:

von der Stromart (Wechselstrom oder Gleichstrom),
von der Stromstärke (Ampère),
vom Stromweg durch den Körper (längs oder quer) und
von der Einwirkdauer (in Sekunden).


Die Folgen einer Körperdurchströmung sind bei einem genügend
großen Stromfluss:


Muskelverkrampfung,
Herzrhythmusstörungen,
Herzstillstand oder
Herzkammerflimmern und das kann den Tod bedeuten.


Dabei gilt:

Wechselstrom (das ist der Strom in unseren elektrischen Anlagen)
ist wesentlich gefährlicher als Gleichstrom (den finden wir z.B. in
fast allen Kraftfahrzeugen).
Eine höhere Stromstärke ist gefährlicher als eine niedrigere.



Eine Längsdurchströmung ist gefährlicher als eine Querdurchströmung

Jede Einwirkdauer von mehr als 0,3 Sekunden kann kritisch sein!

Bei Wechselstrom können

Muskelverkrampfungen ab 15 mA Stromstärke und
Herzkammerflimmern ab etwa 80 mA Stromstärke bei einer Längsdurchströmung des Körpers auftreten.


Die Stromstärke durch den menschlichen Körper hängt ab von der Spannung (U) und dem elektrischen Widerstand (R).


I = U / R I = Ampère
U = Volt
Ohmsches Gesetz R = Ohm

elektrischer Körperwiderstand:
etwa 1000 Ohm

Beispiel:

Sie greifen mit einer Hand an einen defekten Lichtschalter
und kommen mit einer Spannung von 230 Volt in Berührung.

Dann gilt:

I = U / R = 220 V / 1000 Ohm = 0,22A = 220mA

Folge: Herzkammerflimmern !?

Meistens nein, denn oft ergeben sich andere Werte, da zusätzliche Widerstände, wie z.B. Schuhe, die Stromstärke verringern können.


I = U / R = 220 V / 10 000 Ohm = 0,022 A = 22mA
Aber:


Stellen Sie sich vor, Sie kommen mit dem Bein an ein leitfähiges Teil
(Ihre Hose hat keine 10 000 Ohm Widerstand), dann erwischt der Strom Sie voll.


Der Widerstand wird noch viel geringer, wenn Sie schwitzen.


Die Gefährdung durch Lichtbogeneinwirkung bei einem Kurzschluss auf den Menschen ist eine Temperatur
von 4 000 °C bis 10 000 °C.

Bei diesen, sehr hohen Temperaturen verdampfen Metallteile
in Sekundenbruchteilen und werden durch die Blaswirkung des
entstehenden elektromagnetischen Feldes herausgeschleudert
und dringen tief in die ungeschützte Haut ein.


Kurzschlüsse entstehen häufig beim Arbeiten an unter Spannung
stehenden Teilen!


Arbeiten an unter Spannung stehenden Anlagen sind besonders gefährlich.

Deshalb darf grundsätzlich nicht an unter Spannung
stehenden Anlagen gearbeitet werden!

Der Fachmann darf es aber ausnahmsweise unter Berücksichtigung
besonderer Schutzmaßnahmen. Wenn Sie sich für diese Ausnahmen interessieren, finden Sie nähere Angaben dazu in den §§ 6 bis 8 BGV A2 "Elektrische Anlagen und Betriebsmittel".

Sekundäreinwirkungen

Sekundäreinwirkungen des elektrischen Stromes sind in den meisten Fällen heftige, unkontrollierte Bewegungen.

Beispiel: Wechseln eines defekten Leuchtmittels in drei Meter Höhe
bei einer unter Spannung stehender Leitung.


Stehleiter aus Aluminium ordnungsgemäß aufgestellt.

Beim Versuch, das Leuchtmittel aus der Fassung zu schrauben,
zerbricht das Glas. Es kommt zu einer Körperdurchströmung.

Das löst eine heftige Bewegung aus...

...dadurch Verlust des Gleichgewichtes und Absturz von der Leiter.

Die Folge: Brüche oder Prellungen, die in der Regel
zum Krankenhausaufenthalt führen!


Die vorgenannten Gefahren können auftreten an:

durchgescheuerten Isolierungen von beweglichen oder fest
verlegten Anschlussleitungen;
Knickstellen der Leitungen, hier kann die Isolierung gebrochen sein;
elektrischen Geräten, die nicht fachgerecht instand gesetzt wurden;
schadhaften Steckvorrichtungen.


Schadhafte elektrische Anlagen und Betriebsmittel bedeuten eine große Gefahr
für Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen!



Schadhafte elektrische Geräte sind daher sofort jeder weiteren Benutzung zu entziehen und durch einen Fachmann instandsetzen zu lassen.

Dulden Sie unter keinen Umständen elektrische Basteleien!



Wenn Sie so etwas sehen oder Kenntnis davon erhalten, melden Sie den Zustand sofort Ihrem Vorgesetztem. Achten Sie, soweit Sie dazu in der Lage sind, darauf, dass alle Arbeiten an elektrischen Betriebsmitteln und Anlagen nur von ausgebildeten Elektrikern durchgeführt werden.


Schutz gegen elektrische Unfälle

Überzeugen Sie sich vor der Benutzung elektrischer Anlagen von ihrem einwandfreien Zustand!

Benutzen Sie grundsätzlich keine nassen Geräte. Achten Sie darauf, dass Sie trockene Hände und Füße haben!

Schalten Sie beim Auftreten von Störungen sofort die Spannung ab, ziehen Sie den Stecker heraus!

Öffnen Sie nie die Schutzabdeckungen von elektrischen Klemmkästen!

Melden Sie Schäden an elektrischen Geräten und Anlagen sofort!


Also:

Der beste Schutz ist, elektrisch aktive Teile an Maschinen
oder Netzanschlussleitungen nicht zu berühren!


Immer noch ist die Ansicht weit verbreitet, dass eine Spannung
von 220 Volt ungefährlich sei. Sie wissen, dass das falsch ist!

Aber was tun, wenn doch einmal etwas schief gegangen ist?

Erste Hilfe bei einem elektrischen Unfall

Erste - Hilfe - Maßnahmen am Unfallort sind oftmals für die später verlaufende Heilung der Verletzungen oder gar für die Rettung einer Kollegin bzw. eines Kollegen entscheidend.


Folgen eines Stromunfalls können sein:

Atemstillstand,

Herzstillstand oder Herzkammerflimmern.


Sollten Sie eine bewusstlose Person auffinden oder
Sie beobachten, wie eine Person einen Stromschlag erhält,
unterbrechen Sie sofort die Stromzufuhr durch:



Ausschalten des Gerätes,

Ziehen des Steckers und

Herausnahme der Sicherungen!


Ist das auf schnellstem Wege nicht möglich, müssen Sie die Person aus dem Gefahrenbereich entfernen.

Denken Sie auf jeden Fall an Ihre eigene Sicherheit!

Nehmen Sie nichtleitende Gegenstände (z.B. eine trockene Holzlatte oder Ihre Jacke) und trennen Sie die Person von den unter Spannung stehenden Teilen oder ziehen Sie die Person an deren Kleidung aus dem Gefahrenbereich.

Achten Sie darauf, dass Sie nicht mit dem Stromkreis in Berührung kommen, an dem die Person hängt!

Bei einem Herzstillstand sofort eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durch ausgebildete Rettungskräfte einleiten!

Bei einem Atemstillstand sofort eine künstliche Beatmung beginnen!

Diese Techniken sind Gegenstand jeder betrieblichen Ersthelferausbildung.

Prüfen Sie bitte einmal, wie viele Ersthelfer in Ihrer Abteilung zur Verfügung stehen, und wann diese das letzte Mal die Herz-Lungen-Wiederbelebung geübt haben.


Beide Rettungsmaßnahmen bedeuten bei einem Elektrounfall oft
die einzige Rettungschance!


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